E-Rechnung für KMU:
Was jetzt wichtig ist

von Manuel Jarc, OPS JARC e.U.·Stand September 2026 · Lesedauer 9 Min.

Die elektronische Rechnung kommt — und mit ihr viele Fragen: Betrifft mich das überhaupt? Reicht eine PDF-Rechnung künftig noch aus? Was ist Peppol? Und brauche ich dafür eine neue Software? Dieser Artikel fasst zusammen, was Klein- und mittlere Unternehmen (KMU) sowie Ein-Personen-Unternehmen (EPU) in Österreich jetzt wissen sollten.

Was ist eine E-Rechnung wirklich?

Eine E-Rechnung im rechtlichen Sinn ist mehr als nur eine Rechnung, die elektronisch verschickt wird. Gemeint ist ein strukturierter, maschinenlesbarer Datensatz, den Software automatisch verarbeiten kann — in der EU nach der Norm EN 16931. In Österreich ist der etablierte Standard ebInterface, international das Peppol-Format (Peppol BIS Billing 3.0).

Der häufigste Irrtum: PDF ist keine E-Rechnung

Wichtig: Eine PDF-Rechnung per E-Mail gilt in Österreich nicht als E-Rechnung im gesetzlichen Sinn — auch wenn sie "elektronisch" verschickt wird. Der entscheidende Unterschied liegt nicht im Übertragungsweg, sondern im Datenformat: Eine echte E-Rechnung enthält strukturierte Daten, die ein Computersystem automatisch auslesen und weiterverarbeiten kann, ohne dass jemand Zahlen manuell abtippt.

Die aktuelle Rechtslage in Österreich

B2G (Business-to-Government) — bereits Pflicht seit 2014

Seit 1. Jänner 2014 sind alle Vertragspartner des Bundes verpflichtet, Rechnungen ausschließlich in elektronisch strukturierter Form einzureichen — im Format ebInterface oder Peppol BIS, eingebracht über das Unternehmensserviceportal (USP) bzw. e-Rechnung.gv.at (§ 5 IKT-Konsolidierungsgesetz).

B2B (Business-to-Business) — derzeit freiwillig

Im gewöhnlichen österreichischen B2B-Geschäft besteht derzeit keine allgemeine Pflicht zu einem strukturierten Format. Papier- und PDF-Rechnungen bleiben zwischen Unternehmen vorerst zulässig.

Wichtig für Österreicher mit Deutschland-Geschäft: Deutschland hat mit dem Wachstumschancengesetz bereits seit 1.1.2025 eine B2B-Empfangspflicht eingeführt — die Sendepflicht folgt 2027 (für größere Unternehmen) bzw. 2028 (für alle Unternehmen). Österreichische Lieferanten deutscher Firmen sind davon schon heute praktisch betroffen.

Was ist Peppol?

Peppol ist ein europaweites Übermittlungsnetz für den Austausch von Geschäftsdokumenten wie Rechnungen — kein Rechnungsformat im engeren Sinn, sondern der sichere "Transportweg" dafür. Statt eine Rechnung per E-Mail zu verschicken, läuft die Übermittlung über zertifizierte Zugangspunkte direkt zwischen den IT-Systemen der Geschäftspartner. Der Übertragungsweg ist dabei genauso wichtig wie das Rechnungsformat selbst — Peppol bietet gegenüber dem klassischen E-Mail-Versand deutlich mehr Sicherheit und weniger Medienbrüche.

5 gute Gründe für die E-Rechnung

  1. Höhere Sicherheit: Weniger Medienbrüche, da Daten nicht manuell übertragen werden müssen
  2. Ersparnis von Zeit und Personalkosten: Kein Drucken, Kuvertieren, Frankieren oder Wegekosten zur Post
  3. Schnellere Bezahlung, höhere Liquidität: Die Rechnung ist sofort beim Empfänger und wird schneller bearbeitet — Skonto lässt sich leichter ausnutzen
  4. Automatisierte Weiterverarbeitung: Direkte Übernahme ins Dokumentenmanagement bzw. ERP-System, schneller Abgleich mit dem Auftrag
  5. Umweltschonung: Weniger Papierverbrauch und Transportaufwand

ViDA: Die EU-Zukunft ab 2030

Die EU-Initiative ViDA ("VAT in the Digital Age") ist bereits beschlossen und digitalisiert schrittweise das europäische Mehrwertsteuersystem. Für österreichische Unternehmen besonders relevant:

  • Ab 1. Juli 2030 wird die E-Rechnung für grenzüberschreitende B2B-Umsätze innerhalb der EU zum verpflichtenden Standard — inklusive digitaler Meldepflichten in Echtzeit an die Finanzverwaltung
  • Rein inländische Umsätze sind von dieser EU-Pflicht zunächst nicht betroffen
  • ViDA erlaubt es Mitgliedstaaten ausdrücklich, eigene nationale B2B-Pflichten einzuführen, ohne vorherige EU-Genehmigung einzuholen — ob Österreich das tut, ist derzeit offen

Einschätzung: Ein konkretes Datum für eine österreichische B2B-Pflicht gibt es aktuell nicht. Die Entwicklung in Deutschland und auf EU-Ebene wird die heimische Gesetzgebung aber mittelfristig beeinflussen — wer sich jetzt vorbereitet, hat später deutlich weniger Umstellungsaufwand.

Wie sich KMU jetzt vorbereiten können

Die Einführung strukturierter E-Rechnungen gelingt nur nachhaltig, wenn Mitarbeiter:innen frühzeitig eingebunden werden — meist sind mehrere Unternehmensbereiche betroffen (zumindest Steuer, IT und Einkauf):

  1. Eine verantwortliche Person benennen, die direkt an die Unternehmensleitung berichtet
  2. Mitarbeiter:innen informieren und einbinden — Schulung, Transparenz und klare Prozesse sind entscheidend
  3. Testphase einplanen und mit wichtigen Lieferanten bzw. Kunden abstimmen
  4. Passende, niedrigschwellige Lösung wählen — es muss kein teures ERP-System sein

Lösungen auch ohne eigenes ERP-System

Über das ebInterface-Service der WKO und das Unternehmensserviceportal (USP) können auch Kleinunternehmen und EPU E-Rechnungen erstellen, ohne eine Software installieren zu müssen — ein guter, kostenloser Einstiegspunkt.

Webinar-Video: E-Rechnung verständlich erklärt

Zum Thema gibt es ein sehr anschauliches Erklärvideo, das die wichtigsten Grundlagen kompakt zusammenfasst:

WKO-Webinar: E-Rechnung verständlich erklärt Nachbericht & On-Demand-Aufzeichnung, 23.9.2026
Zum Webinar-Nachbericht →

Häufige Fragen zur E-Rechnung

Für den österreichischen B2B-Bereich derzeit ja — es gibt keine allgemeine Pflicht zur strukturierten E-Rechnung. Rechtlich gilt eine PDF-Rechnung aber ohnehin nicht als "E-Rechnung" im engeren Sinn, da sie nicht maschinenlesbar ist. Für Rechnungen an Bundesbehörden (B2G) ist eine strukturierte E-Rechnung bereits seit 2014 Pflicht.

Peppol ist ein europaweites Netzwerk für den sicheren, standardisierten Austausch elektronischer Geschäftsdokumente wie Rechnungen. Statt eine Rechnung per E-Mail zu verschicken, läuft die Übermittlung über zertifizierte Zugangspunkte direkt zwischen den Systemen der Beteiligten.

Nicht zwingend. Es gibt kostenlose und niedrigschwellige Lösungen auch für Kleinunternehmen und EPU ohne eigenes ERP-System — etwa Online-Formulare über das Unternehmensserviceportal oder das ebInterface-Service der WKO.

Ein konkretes Datum für eine österreichische B2B-Pflicht gibt es aktuell nicht. Durch die EU-Initiative ViDA wird ab 1. Juli 2030 zumindest die E-Rechnung für grenzüberschreitende B2B-Umsätze innerhalb der EU verpflichtend — ob Österreich zusätzlich eine nationale B2B-Pflicht einführt, ist offen.

Deutschland hat mit dem Wachstumschancengesetz bereits seit 2025 eine B2B-Empfangspflicht eingeführt — die Sendepflicht folgt 2027 bzw. 2028. Österreichische Lieferanten deutscher Unternehmen sind davon schon heute praktisch betroffen und sollten sich frühzeitig mit Peppol-fähigen Lösungen vertraut machen.

OPS JARC unterstützt Sie bei der Digitalisierung Ihrer administrativen Prozesse — von der ersten Bestandsaufnahme bis zur praxistauglichen Umsetzung.

Jetzt Beratungstermin anfragen →